Hans Sonderegger

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Hans Urs Sonderegger lic. phil. dipl. LOG

(*  7.1946  -    1.2012)

Eine Kurzbiographie

Der gebürtige Schweizer bereicherte auf besondere Weise die interdisziplinäre therapeutische Arbeit für Kinder mit Entwicklungsschwierigkeiten in Wahrnehmung, Bewegung und Lernen, für Eltern und Geschwister, sowie für Menschen (Kinder und Erwachsene) mit Hirnverletzungen und deren Angehörigen in Europa. Ursula Costa (ET B.Sc, M.Sc, FHG Tirol/Innsbruck) beschrieb es zur Abdankungsfeier am 14.1.2012 sehr passend:

"Sein differenzierter Blick auf Fähigkeiten und Möglichkeiten junger wie erwachsener und alter PatientInnen machte ihn zu einem wertvollen und willkommenen Diagnostiker im interdisziplinären Kontext. Hans Sondereggers Interesse galt dem, wie Menschen zu Erkenntnis kommen, wie Mensch und Um-Welt interagieren, wie Kommunikation und Mit-Teilen möglich und sinnvoll ist, wie Informationen in der konkreten Auseinandersetzung mit der Umwelt angeboten bzw. aufgenommen und so verarbeitet werden können, dass es Sinn ergibt. Er war ein Meister der Inklusion. Sein Bestreben galt dem, Menschen Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Auch in schwierigsten neurologischen bzw. neuropädiatrischen Situationen fand er innovative und wirksame therapeutische Ansätze."

Der Lebenslauf des Hans Sonderegger ist genauso vielfältig, wie er einzigartig war.

Als musisch Begabter und einer Ausbildung am Klavier(Mozart Virtuose), entschied er sich nach dem Etüden Lernen 1966 für das Studium der Philosophie, Psychologie und  Heilpädagogik an der Universität Fribourg in der Schweiz.

1970 - 72 folgte seine Logopädieausbildung mit Diplomabschluss.

Auf einer Bahnfahrt begegnete er Dr. Walter Bischofberger und so begann 1972 seine 18 jährige Mit-und Forschungsarbeit am St.Galler Zentrum für Wahrnehmungsstörungen von Dr. Félicie Affolter. Zeitweise als Leiter des St. Gallener Zentrum für Wahrnehmungsstörungen.

1975 - 1976 Neuropsychologiestudium / besuchte einige Seminare in Paris bei Piaget

Er unternahm weitere Schritte in die Neuro-Rehabilitation und assistierte bei Kursen und Supervisionen in die  Neurorehaklinik  Valens.

1977 wurde er als erster Logopäde eingeladen einen Bobathkurs für Erwachsene zu besuchen.

So entwickelte sich im direkten Austausch mit Patricia Davies , Gisela Rolf und vielen anderen, sein eigener verschiedene Konzepte integrierender Ansatz der "Lernbegleitung als geführte Interaktion im Alltag", welchen er als "dynamisch" bezeichnet und Menschen mit besonderen kognitiven, perzeptiven, motorischen und psychosozialen Herausforderungen, v.a. im Bereich der Neuropädiatrie und der Neurologie begleitet und das er auch in seiner Lehrtätigkeit in ganz Europa, USA und Südafrika vermittelte.

1982 Postgraduate Course in Psychologie , Universität Minnesota, USA

1984 Dipl. der Audiopädagogik , Heilpädagogisches Seminar , Zürich

2000 2-Wochenkurs Neurodynamik, Gisela Rolf

2002 Vertragsprofessor der Universität Basel: Zusammenhang der Entwicklung von Wahrnehmung und  Sprache

Dozententätigkeit: FGH Tirol/Innsbruck, Claudiana Bozen

Er arbeitete ruhelos mit betroffenen Menschen, in Familien und Institutionen, im Rahmen von Kursen, Vorträgen und Lehrveranstaltungen, in der Auseinandersetzung mit aktueller Hirnforschung, mit neuesten und relevanten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Philosophie, Pädagogik, Anthropologie, Psychologie und Medizin. Er war ein Forschender und Lehrender, der dabei nie das Wesentliche, um das es im jeweils Konkreten geht, vergaß – den Menschen.
Ziel und Prüfstein seiner inhaltlichen Auseinandersetzung war es, Menschen in ihrer Handlungs-, Kommunikations- und Bewegungsfähigkeit zu befähigen – hin zu sinnerfülltem Alltag.

In seinem Sinne, richten wir die Worte seiner Lieblingsdichterin Hilde Domin, an alle, die weiter auf der Suche sind und in Forschung und Therapie die Neurorehabilitation voranbringen:

"Nicht müde werden sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten"



Den von Ursula Costa verfassten Nachruf finden sie hier.